Töpferöfen – Pottery kilns – Fours de potiers. Die Erforschung frühmittelalterlicher bis neuzeitlicher Töpferöfen (6.–20. Jh.) in Belgien, den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz. A study of pottery kilns from early mediev
Der Band versammelt 1500 Jahre mitteleuropäischer Töpfereigeschichte in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Österreich. Es fokussiert dabei auf die wichtigste Produktionseinrichtung – den Töpferofen. Unter Berücksichtigung unterschiedlichster Quellengattungen – archäologische Ausgrabungsbefunde, Bauaufnahmen durch Volkskundler, Denkmalpfleger und Bauforscher, historische Bauakten und persönlicher Vor-Ort Recherchen an noch stehenden Holzbrand-Töpferöfen – konnten mit Hilfe zahlreicher Institutionen und Fachkolleginnen / Fachkollegen insgesamt 1'055 Töpferöfen in einer Datenbank erfasst und nach unterschiedlichen Kriterien ausgewertet werden. Ausserdem wurden zahlreiche Archäologinnen und Archäologen aus den betreffenden Ländern gewonnen, ihre neuesten Ausgrabungsbefunde in Kurzbeiträgen vorzustellen. Im Ergebnis lassen sich erstmals verschiedene überregionale Entwicklungslinien und Trends in der Irdenware- und der Steinzeugtechnologie aufzeigen. Gleichzeitig werden im Vergleich regionale Spezialentwicklungen und traditionelles Beharren deutlich. In der Tendenz liegen lange und kontinuierliche Entwicklungslinien vor, bei denen durchaus unterschiedliche Ofentypen nebeneinander existieren. Die auf prähistorische Wurzeln zurückgehenden stehenden und die ab dem 8./9. Jahrhundert neu entwickelten liegenden Töpferofentypen haben eine lange Phase der Koexistenz, die mindestens bis ins 14. Jh. reicht. Andererseits werden Ofentypen, die technologisch einen ausgereiften Stand erreicht haben, über Jahrhunderte nahezu unverändert errichtet. Gleichzeitig sind die beschriebenen Ofentypen wichtige Zeugnisse des Technologietransfers, sei es durch zuwandernde Töpfer oder durch Kulturkontakte und verschiedene Formen der Adaption.
Umfangreiche englische, französische und niederländische Zusammenfassungen erleichtern zusammen mit einem dreisprachigen Glossar den Zugang auch für die übrigen europäischen Kulturwissenschaften. Die beiliegende CD bietet einen elektronisch leicht recherchierbaren Katalogtext und ein umfangreiches, bislang weitgehend unveröffentlichtes Bildmaterial zum Thema.
Mit Beiträgen von Alfred Falk, Ursula Francke, Lotti Frascoli, Stefan Graßkamp, Achim Kass, Christoph Keller, Sonja König, Stefan Krabath, Petra Lönne, Sylvie de Longueville, Annamaria Matter, Ulrike Müssemeier, Hermann Muschter, Christian Ronnefeldt, Eva Roth Heege, Jean Plumier, Julia Rücker, Andrea Tiziani, Cornelius Ulbert, Günter Unteidig, Marco Vermunt, Barbara Weiser und Werner Wild.